SugarLeaks: Diese Enthüllungen sind kein Zuckerschlecken

Ein (eigentlich) streng geheimes Protokoll des jüngsten Strategie-Meetings der Bundesgeschäftsstelle des deutschen Essensbesserwisser e.V. wurde der SugarLeaks-Plattform zugespielt. Hier sind die wichtigsten Auszüge daraus:

TOP 1: Begrüßung

Der Nutri-Score soll die deutschen Supermärkte erobern. Der Vereinsgründer schwört alle auf das Ziel ein: „Wir stehen kurz vor dem Durchbruch. Nie war eine solche Lebensmittelkennzeichnung so nah. Für uns ist sie perfekt. Der Verbraucher glaubt, wir wollen ihm damit helfen. Gleichzeitig ist der Nutri-Score aber verwirrend genug, so dass er niemanden wirklich weiterbringt. Gut so, schließlich wären wir sonst arbeitslos.“

TOP 2: Kritik

Der Pressesprecher hat Bedenken: „Was, wenn die Verbraucher den Schwindel durchschauen? Viele Bewertungen beim Nutri-Score sind Unsinn. Pommes bekommen die Bestwertung A, Vollkorn-Knäckebrot bekommt nur ein C. Tortellini bekommen ein D, aber zubereitet in der Dose ein B.“ Der Vereinsgründer bleibt gelassen: „Das stört doch in Frankreich auch keinen. Und wir tun alles, damit auch die Deutschen glauben, dass der Nutri-Score sinnvoll ist.“ Der Geschäftsführer nickt: „Genau! Alle Gegenvorschläge sägen wir konsequent ab.“

TOP 3: Kampagne

Der Kampagnendirektor lobt: „Vorbildlich! Damit sind wir in Phase 4 des kleinen NGO-Kampagnen-Einmaleins – alle sinnvollen Alternativen schlechtmachen. Nochmal kurz für alle: In Phase 1 haben wir das Problem erfunden – es gibt keine ausreichende Lebensmittelkennzeichnung. Das war natürlich Quatsch. Die Nährwerttabelle zeigt alles Wichtige auf einen Blick. Die Leute haben uns trotzdem geglaubt. In Phase 2 haben wir die angebliche Lösung präsentiert – den Nutri-Score. Garniert mit ein paar aufgeblasenen Studien. In Phase 3 haben wir uns Feinde gesucht. Besonders wichtig: Die Ernährungsministerin. Der unterstellen wir Klüngelei mit der Lebensmittelindustrie. Und die Zuckerwirtschaft. Der unterstellen wir, dass sie lügt.“ Apropos: Wir müssen ab sofort immer von der Nutri-Score-Ampel sprechen, damit nicht so auffällt, dass unsere ursprüngliche Forderung nach einer Lebensmittel-Ampel längst als Quatsch enttarnt wurde und wir deshalb auf den Nutri-Score umgeschwenkt sind.

TOP 4: Anregungen

Der Assistent der Geschäftsführung zeigt auf: „Ich weiß, das Thema wurde schon mal abgeschmettert. Aber was wäre denn so schlimm, wenn wir groß die Kalorien vorne auf die Verpackung schreiben? Das verstehen alle und das hilft, schlank zu bleiben oder zu werden. Seinen Kalorienverbrauch pro Tag kann schließlich jeder ganz einfach ausrechnen.“ Der Vereinsgründer wird energisch: „Haben Sie schon wieder nicht zugehört? Sie gefährden unsere Arbeitsplätze. Wir wollen keine Kennzeichnung, die für alle funktioniert. Wir brauchen Probleme und Feinde. Sonst ist Schluss mit Spendengeldern. Die Kennzeichnung muss bunt sein und für unser Geschäftsmodell funktionieren.“

TOP 5: Zukunft

Der Vereinsgründer spricht das Schlusswort: „Für uns läuft alles nach Plan. Im Sommer fragt die Ernährungsministerin Bürger, welche Lebensmittelkennzeichnung ihnen gefällt. Das klingt auch wieder herrlich nach Demokratie – und nach Chancengleichheit. Aber: Bis dahin haben wir den Nutri-Score in den Köpfen der Menschen verankert. Für uns optimal: Wir haben ein ruhiges Gewissen, denn die Bürger können dann selbst die schlechteste aller Lösungen wählen. Und wir sind fein raus, wenn auffliegt, dass der Nutri-Score keinen Effekt hatte. Danke, Frau Ministerin. Sie sind einfach die Beste.“

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