Bist du jetzt schon schlanker, oder doch fetter?

Im Januar wurden wir wieder mit klugen Ratschlägen bombardiert, wie wir die ungeliebten und viel zu weichen Pölsterchen aus dem letzten Jahr loswerden. Sie sind alle wertlos. Doch es gibt einen Ausweg.

Alle Jahre wieder

Pünktlich zu Neujahr versorgen uns findige Redakteure mit den Artikeln, die uns dieses Jahr endlich helfen sollen. Manche Redaktionen sind allerdings erschreckend einfallslos:

Immer wieder die gleiche Leier: „Essen Sie bitte das nicht, davon bekommen Sie Krebs, essen Sie bitte mehr hiervon“. Meine zwei Lieblinge sind aber ungeschlagen: „Amerikanische Wissenschaftler haben herausgefunden …“ und der Klassiker „Experimente mit Ratten zeigten …“. Das alles hat uns bisher nicht weiter gebracht. Im Gegenteil. Deutschland ist fetter geworden. Tendenz: fetter.

Eine Nation in Schieflage

Seit Jahren finden sich die Bücher auf der Spiegel-Bestsellerliste, die den totalen Verzicht predigen. Beispiele – setzt beliebig ein: „Ohne […], wie ich 10 Kilo abnahm“. „Für immer […] frei – schlank, gesund und glücklich ohne das […] Gift.“ Und gerade in diesem Moment schreibt irgendwo eine unterbeschäftigte Person ihre einzig wahre und neue Methode auf. Gebracht hat das alles nichts. Da geht etwas schief. Gibt es nicht einen anderen Weg, etwas zwischen Hot-Dog-Wettessen und Wasser-Diät? Etwas zwischen Fresskoma und Grünkohlsmoothie? Den gibt es. Vielleicht versuchen wir es mal mit einem alten Konzept, der Balance.

Balance – wie geht das gleich nochmal?

Balance ist ein schönes Wort. Es kling schon so ausgewogen. Balance. In Bezug auf unsere Ernährung ist Balance auch recht einfach zu beschreiben. Eigentlich sollte das uns allen einleuchten. Trotzdem: Hier kommen fünf Tipps, quasi als Gedächtnisstütze:

1. Maß halten

Nicht zu viel essen, nicht zu wenig. Nicht nur das eine essen, sondern von allem ein bisschen. Und wenn man einmal zu viel gegessen hat, dann am nächsten Tag etwas weniger. Ausgewogen eben.

2. Mit dem Bauch essen

Und auch mal wieder auf ihn hören. Essen wir, wenn wir Hunger haben und weil wir Nahrung brauchen, und nicht aus Langeweile, Stress oder Frust. Gar nicht so leicht, aber machbar.

3. Richtig genießen

Und wenn wir dann richtig geiles Essen haben, dann genießen wir es eben richtig. Langsam, Löffel für Löffel, und nicht vor der Glotze oder „To Go“. Lieber ein Stück richtig geile Torte voll genießen, als 20 Reiswaffeln futtern, die selbst mit Hüttenkäse wie Styropor schmecken.

4. Einfach essen

Muss es immer Steak Tatar sein oder die Avocado mit der schlechten Ökobilanz? Ein Butterbrot mit Käse macht auch satt. Machen wir uns nicht verrückt.

5. Bewegung

Am besten isst man im Sitzen – ganz in Ruhe und bewusst. Zum Ausgleich brauchen wir dann natürlich Bewegung. Am besten an der frischen Luft. Griechische Philosophen sind gerne spazieren gegangen, haben beim Gehen sogar ihre Schüler unterrichtet. Wer sich bewegt, hat mehr vom Leben.

Kleiner Einschub: Wir gehen hier von halbwegs gesunden Menschen aus, nicht von Menschen, die wirklich krank sind und die Essensgebote befolgen müssen oder eine Essstörung haben.

Ein letzter Tipp. Der ist weniger offensichtlich, aber essenziel. Wer ihn beherzigen will, braucht Mut und die Fähigkeit, zu ignorieren:

Machen wir uns frei

Wir können wieder lernen, mit Essen normal umzugehen. Das ist aber schwer, wenn wir von allen Seiten mit pseudohilfreichen Ratschlägen bombardiert werden. Davon müssen wir uns frei machen. Rufen wir zur Rebellion gegen eine Maschinerie der Essenshysteriker, die uns eher krank als gesund macht. Boykottieren wir die Quacksalber. Das wird vielen nicht gefallen. Wenn wir Menschen uns wieder auf uns selbst besinnen, auf unser Bauchgefühl und auf unsere Vernunft, frei von Verboten und Vorschriften, dann stellt sich die Frage: Wer soll die ganzen Ratgeber dann noch kaufen?

Ignorieren und glücklich sein

Die Ernährungsapostel können wir von heute auf morgen nicht davon abhalten, ihre Bücher und Blogs zu schreiben. Wir können sie aber sofort ent-liken, un-followern, als Spam markieren, liegen lassen. Die große Herausforderung in unserem Informationszeitalter ist, den ganzen Mist an Informationen einfach auszublenden. Wer das verinnerlicht, ist auf dem besten Weg zur Balance. Der Februar ist die perfekte Gelegenheit, mit den unsinnigsten Vorsätzen aus dem Januar zu brechen und den Weg zur Balance einzuschlagen.

       

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