Aktionen, Aktuelles, Allgemein, start

Liebe Einkommensschwache, wollt ihr noch mehr Bevormundung?

Wie unsere Fertigpizza schmeckt, wie viel Salz auf einer Brezel ist, das bestimmt ab morgen niemand anderes als der Staat. Den Eindruck muss man bekommen, wenn man diesen Artikel auf Bild.de gelesen hat. Wollen wir uns diese Bevormundung gefallen lassen? Nein!

Hier ein Brief voller Solidarität mit allen Bürgerinnen und Bürgern die im Interview auf Bild.de hochnäsig als „einkommensschwache Bevölkerungsschicht“ bezeichnet und durch eine staatliche Umerziehung bevormundet werden sollen:

Lieber Herr Schmidt,

Deutschland ist zu fett, und die Einkommensschwachen sind schuld. Das sagen Sie nicht direkt, scheinen es aber zu meinen, wen man liest, wie Sie auf Bild.de („Das will Minister Schmidt uns vom Teller nehmen“) zur Strategie für die Reduktion von Zucker, Fett und Salz in Fertigprodukten interviewt werden. Als Zielgruppe (das sind die, für die Sie sich so hart abarbeiten in stundenlangen Meetings) haben Sie die „einkommensschwache Bevölkerungsschicht“ im Auge. Das ist arrogant, aber aus Ihrer Sicht auch logisch: Wer fett ist, belastet das Gesundheitssystem und kostet den Staat ein paar Euro. Den „Einkommensschwachen“ kann man das Geld gar nicht mehr abknöpfen, die „Einkommensstarken“ will man vor einer Wahl aber auch nicht unnötig oft an das Solidaritätsprinzip erinnern. Also erziehen Sie doch den Geschmack der „Einkommensschwachen“ um. „Einkommensschwach“ ist dabei einfach eine unverschämte Verniedlichung von Bürgerinnen und Bürgern, die auch am Ende des Monats kein Geld für vegane Buletten haben.

Und dann dieses Gerede von „Bevölkerungsgruppen, die mit verhaltenspräventiven Maßnahmen nicht oder nur schlecht erreicht werden“ und Ziel Ihrer Umerziehung sein sollen. Übersetzt meinen Sie damit „Bildungsferne“. Sie wollen wirklich „bildungsferne“ Bürgerinnen und Bürger als Vorwand nehmen, um ganz Deutschland vorzuschreiben, wie Essen schmecken soll? Umerziehung soll also das Problem mit den „Bildungsfernen“ lösen. Sind „Bildungsferne“ wirklich das Problem?

Was ist mit den bildungsnahen studierten Wissenschaftlern, die aus reiner Publikationsbegierde nichtssagende Experimente an Ratten durchführen, nur um Schlagzeilen und ihre Karriere anzuheizen? Was ist mit all den bildungsnahen und selbsternannten Ernährungsgurus, die auf Instagram jede neue Diät feiern? Die dafür auch sorgen, dass wir jegliches Gefühl für normale Ernährung verlieren und die durch Hypes und Verunsicherung massiv Geld verdienen? Was ist mit genau diesem Teil der bildungsnahen und einkommensstarken Bevölkerungsschicht, die kein Stück weit dazu beiträgt, dass es uns besser geht? Sollte das nicht Ihre Zielgruppe sein?

Stattdessen zielen Sie auf die wehrlosen: Wenn ein Ministerium einem Kleinbetrieb per Gesetz vorschreiben will, welchen Salzersatzstoff er für seinen Räucherlachs verwenden darf, nur weil ein Bildungsnaher das „böse“ Salz reduzieren will, stinkt das zum Himmel. Das ist also die Art der geschmacklichen Umerziehung, die Sie zum Wohle aller durchsetzen wollen? Sie können Ihre Salzersatzstoffe selber essen. Finger weg von unseren Tellern!

Auch Einkommensschwache, oder die kleinen, hart arbeitenden Menschen im Sprech der SPD, würden gerne samstags mit dem SUV die ruß-verseuchte Großstadt verlassen, mit 250 PS zum Bio-Hof aufs Land heizen, Karotten kaufen und Schafe streicheln. Wenn da nur nicht diese lästige Einkommensschwachheit wäre. Herr Minister, vielleicht haben Sie es schon gehört: Stress kann dick machen. Sozialer Stress macht sogar krank. Regulieren Sie den. Damit wäre nicht nur „ihren“ Einkommensschwachen am meisten geholfen.

Hochachtungsvoll und in der Hoffnung, ihr Umerziehungspapier ist nur eine Ente und Sie haben das alles nicht so gemeint,

Antonia