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No more breakfast at Tiffany´s? Wie man uns das Frühstück vermiesen will und was wir dagegen tun können

Terence Kealey meint, Frühstücken sei so gefährlich wie das Rauchen. Müssen wir nach Zigaretten jetzt auch die Croissants aus Hollywood verbannen?

Terence Kealey hält das Frühstück für die gefährlichste Mahlzeit des Tages. 2008 wurde bei ihm Diabetes 2 diagnostiziert. Er ließ daraufhin das Frühstück weg und sein Blutzuckerspiegel normalisierte sich. Aufgrund seiner persönlichen Erfahrung sollen auch Nicht-Diabetiker das Frühstück weglassen. Warum? Ja, warum eigentlich? Das erschließt sich nicht. Er hat aber ein Buch geschrieben und gibt bereitwillig Interviews. Die Menschheit darf nicht mehr frühstücken. Wie konnte es soweit kommen?

Fatale Logik eines Glaubenskriegers

Die Ursachen von Diabetes 2 sind vielschichtig. Eine komplexe Krankheit wie Diabetes 2 auf einen einzigen Faktor zu reduzieren, wie es Terence Kealey tut, ist unwissenschaftlich, unlogisch und grob fahrlässig. Gratulieren wir einfach Terence Kealey, dass er einen Weg gefunden hat, der für ihn funktioniert. Aber wirklich jeder weiß: Was dem einen hilft, muss nicht zwangsweise auch anderen helfen, geschweige denn der ganzen Menschheit. Terence Kealey ist Wissenschaftler. Ein ehemaliger Biochemiker von Cambridge. Er müsste es besser wissen. Tut er aber nicht.

Warum will uns also ein Wissenschaftler sein Buch „Breakfast is a Dangerous Meal“ („Frühstück ist eine gefährliche Mahlzeit“) als die ultimative Erkenntnis verkaufen?  Ich kann es mir nicht erklären. Meint er es am Ende auch noch gut mit uns? Seine Aussagen sprechen eine andere Sprache. Statt wissenschaftlicher Skepsis diktiert er lieber Statements wie „In 10 Jahren wird, dank meines Buches, Frühstücken sozial genauso geächtet sein wie Rauchen – und jeder wird wissen, dass es genauso gefährlich ist.“ Kann er sich nicht einfach nur freuen, dass er gesund ist? Nein. Er musste ein Buch schreiben und uns vorschreiben, was wir zu tun haben. Was für ihn gut war, muss auch für uns richtig sein. Er taufte sich selbst zum Missionar und startet einen heiligen Krieg gegen das Frühstück. Ich finde, wir haben schon genug heilige Kriege.

Was darf man eigentlich noch essen?

Was hat man uns nicht alles in den letzten Jahren verkaufen wollen: Keine Kohlenhydrate nach 18.00 Uhr, kein Fett, kein Zucker, keine Eier. Mehr Protein, Paleo, Smoothies. Friss die Hälfte. Low und high carb. Gurkenwasser, Kokoswasser. Agavendicksaft. Auf jeden Fall frühstücken und jetzt gar kein Frühstück mehr. Wer das alles ernst nimmt, darf schlichtweg gar nichts mehr essen. Auch zu keiner Tageszeit. Wir brauchen eine Auszeit.

Schluss mit dem Jojo-Effekt

Zu jeder neuen „Ernährungserkenntnis“ gibt es Bücher. Es sind Menschen, die diese Bücher schreiben, und Verlage, die sie verkaufen. Terence Kealey hat eines dieser Bücher geschrieben, worüber jetzt die Medien Headlines schreiben, auf die wir klicken sollen. Und bei der nächsten Dinner-Party können wir davon erzählen, dass wir jetzt auch auf das verzichten und dass es uns jetzt vieeeeel besser geht (Subtext: Ich bin klüger als du und, wenn du so klug wie ich bist, verzichtest du auch darauf). Bis wir dann auf den nächsten Trend reinfallen und ein neues Buch kaufen. Ich nenne das den Jojo-Effekt, der die Umsätze dicker macht. Aber wir sind nicht machtlos. Jeder kann etwas gegen diesen Jojo-Effekt unternehmen. Lasst mich anfangen.

Ich diäte jetzt und mache den Hype-Detox

Ich möchte mich nicht mehr von Ernährungstrend zu Ernährungstrend klicken. Das verbrennt nur Zeit und Geld. Diese Bücher mit den einfachen Formeln und einfachen Sündenböcken lasse ich ab sofort auf Amazon verschimmeln. Keine Klicks mehr für die Hype-Industrie. Stattdessen höre ich auf mein Bauchgefühl, achte auf meine Kalorienbilanz und beginne den Tag wie ich es möchte. Mit nichts, wahlweise auch Toast, Cornflakes, Ei, Avocado, Croissants oder einfach nur Liebe.

Ich diäte jetzt Ernährungstrends. Keine Hypes mehr für mich. Ich freue mich auf die nächste Dinner-Party, an der ich das erzählen kann.

Eure Antonia